Die Entscheidung der US-Regierung, Anthropic per Notanordnung die Bereitstellung seiner fortschrittlichsten Modelle Fable 5 und Mythos 5 für ausländische Staatsangehörige zu untersagen, hat Europa kalt erwischt. Den KI Bundesverband nicht.
Seit 2021 warnen wir vor genau diesem Szenario. Was manche heute als Weckruf bezeichnen, ist in Wahrheit eine Quittung für Jahre des Nicht-Handelns. Die Warnungen waren laut und deutlich. Sie wurden nicht gehört oder schlicht ignoriert. Deshalb fordert der KI Bundesverband jetzt einen sofortigen KI-Souveränitätsgipfel: kein weiteres Strategieforum, sondern ein Entscheidungsgremium mit konkretem Aktionsplan, Meilensteinen und Finanzierungszusagen.
Was der 13. Juni 2026 bedeutet
Erstmals hat eine US-Regierung KI-Modelle als Exportkontrollgegenstand behandelt, vergleichbar mit Rüstungsgütern. Mit einer Notanordnung wurden nicht nur europäische Behörden, Unternehmen und Forschungseinrichtungen von kritischen KI-Fähigkeiten abgeschnitten. Alle nicht-amerikanischen Staatsbürger:innen sollen von den leistungsfähigsten KI-Modellen ausgeschlossen werden. Keine Vorwarnung. Kein Einspruchsrecht. Kein europäisches Veto.
Wer heute kritische Infrastrukturen, Behörden oder sicherheitsrelevante Anwendungen auf Basis US-amerikanischer KI-Modelle betreibt, muss eines verstehen: Diese Systeme können jederzeit abgeschaltet werden. Ohne Begründung. Ohne Vorwarnung. Ohne Ausweg. Das betrifft Krankenhäuser, Energieversorger, Behörden, Justiz und Banken. Europäische Cyber-Abwehr betroffen: Die europäische Cyber-Abwehr verliert abrupt ein entscheidendes KI-Werkzeug zur automatisierten Erkennung und Behebung kritischer Schwachstellen. Dies kann dazu führen, dass man potenziellen Cyberangriffen schutzlos ausgeliefert ist, während den Verteidigungs-Teams das modernste digitale Gegenmittel fehlt.
“Was wir gestern erlebt haben, ist keine Überraschung, es ist die Quittung für Jahre des Zögerns. Die US-Regierung hat bewiesen, was wir seit 2021 sagen: KI ist strategische Infrastruktur. Wer sie nicht selbst kontrolliert, wird von anderen kontrolliert. Wir fordern keinen weiteren Strategieprozess. Wir fordern einen Gipfel. Jetzt.”
Rasmus Rothe · Vorstandsvorsitzender, KI Bundesverband
Auf dem KI-Souveränitätsgipfel sollen Vertreter:innen aus Bundesregierung, EU-Kommission, KI-Wirtschaft, Industrie, Sicherheitsbehörden und Betreiber:innen kritischer Infrastrukturen zusammenkommen, um verbindliche Entscheidungen zu treffen. Kein Datum wird verkündet, kein Budget zugesagt, keine verantwortliche Stelle benannt? Dann war es kein Gipfel, sondern eine weitere Absichtserklärung.
Das fordert der KI Bundesverband
1
Verdreifachung der öffentlichen Mittel für europäische KI-Modellentwicklung
Europa braucht eigene leistungsfähige KI-Modelle. Eine echte Alternative, offen, souverän und in europäischer Hand. Programme wie SOOFI und EuroLLM müssen sofort massiv ausgebaut werden.
2
Sofortige Abhängigkeitsprüfung in Behörden und kritischer Infrastruktur
Alle staatlichen Stellen und Betreiber:innen kritischer Infrastrukturen müssen ihre KI-Abhängigkeiten von Drittstaaten systematisch erfassen und mit verbindlichem Zeitplan reduzieren.
3
Souveränitätspflicht für staatliche KI-Anwendungen verankern
Für KI-Systeme in sensiblen staatlichen Bereichen muss gelten: Datenspeicherung, Verarbeitung und Kontrolle bleiben vollständig in Europa, zwingend ohne Abhängigkeit von Anbietern, die einseitigen Zugangssperren unterliegen können.
4
Flexibler strategischer Souveränitätstopf für private KI-Innovation
Ein agiles Förderinstrument für Unternehmen, die heute schon an souveränen KI-Ansätzen arbeiten: schnell, unbürokratisch und zielgerichtet.
Quelle KI Bundesverband 14.06.2026



