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Digitaler Staat zwischen Strategie und Umsetzung: DSAG fordert praktikable Betriebsmodelle für die Verwaltungsmodernisierung

Digitaler Staat zwischen Strategie und Umsetzung: DSAG fordert praktikable Betriebsmodelle für die Verwaltungsmodernisierung

Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung zählt seit Jahren zu den zentralen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen in Deutschland. Strategien, Roadmaps und Digitalisierungsprogramme existieren bereits in großer Zahl. Die entscheidende Frage lautet inzwischen nicht mehr, ob Verwaltungen digitalisiert werden sollen, sondern wie die Umsetzung unter den realen organisatorischen, technischen und regulatorischen Rahmenbedingungen gelingen kann.

Anlässlich des 12. Zukunftskongresses Staat und Verwaltung, der am 9. und 10. Juni 2026 in Berlin stattfindet, hat die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) ihre Positionen zu den aktuellen Herausforderungen der Verwaltungsmodernisierung vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Themen SAP-Transformation, Cloud, Künstliche Intelligenz, digitale Souveränität sowie die Standardisierung von Verwaltungsprozessen.

Digitalisierung in der Verwaltung: Die Umsetzungsphase hat begonnen

Nach Einschätzung der DSAG liegt die größte Herausforderung heute nicht mehr in der Entwicklung neuer Digitalisierungsstrategien. Vielmehr stehen Behörden und öffentliche Einrichtungen vor der Aufgabe, bestehende Konzepte in produktive und dauerhaft tragfähige Betriebsmodelle zu überführen.

Gerade im SAP-Umfeld zeigt sich die Komplexität dieser Situation besonders deutlich. Viele Organisationen müssen mehrere Transformationsvorhaben parallel bewältigen:

  • Betrieb bestehender SAP-ERP-Landschaften
  • Migration auf SAP S/4HANA
  • Aufbau hybrider Cloud-Architekturen
  • Bewertung und Einführung von KI-Anwendungen
  • Umsetzung regulatorischer Anforderungen

Diese Gleichzeitigkeit führt zu erheblichen organisatorischen und technischen Herausforderungen. Ressourcen, Fachkräfte und Budgets müssen auf mehrere strategisch wichtige Projekte verteilt werden. Aus Sicht der DSAG fehlen bislang belastbare Migrations- und Betriebsmodelle, die von mehreren Organisationen gemeinsam genutzt werden können.

Für SAP-Berater und IT-Verantwortliche bedeutet dies, dass künftig nicht nur die technische Migration einzelner Systeme im Fokus stehen wird. Zunehmend gefragt sind standardisierte Transformationsansätze, Referenzarchitekturen und Governance-Modelle, die sich auf unterschiedliche Verwaltungseinrichtungen übertragen lassen.

Cloud, KI und Datenstrategien: Die eigentlichen Herausforderungen liegen in den Grundlagen

Cloud Computing und Künstliche Intelligenz gehören zu den wichtigsten Zukunftsthemen im öffentlichen Sektor. Die DSAG weist jedoch darauf hin, dass die Schwierigkeiten bei der Umsetzung häufig weniger technologischer Natur sind.

Insbesondere drei Faktoren bremsen viele Digitalisierungsprojekte:

Anforderungen an Sicherheit und Souveränität

Behörden verarbeiten häufig besonders schutzwürdige Daten. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Datenschutz, Informationssicherheit und regulatorische Compliance. Diese Rahmenbedingungen führen oftmals dazu, dass Cloud-Projekte langsamer umgesetzt werden als ursprünglich geplant.

Datenqualität als zentrale Voraussetzung

Für den erfolgreichen Einsatz von KI-Systemen sind qualitativ hochwertige Daten erforderlich. In vielen Behörden bestehen jedoch historisch gewachsene Systemlandschaften mit unterschiedlichen Datenmodellen und Medienbrüchen.

Unvollständige, inkonsistente oder nicht standardisierte Datenbestände schränken den Nutzen von KI-Anwendungen erheblich ein. Dies betrifft sowohl analytische Verfahren als auch moderne generative KI-Lösungen.

Fehlende Governance-Strukturen

Neben technischen Fragestellungen gewinnt die organisatorische Steuerung von KI-Projekten zunehmend an Bedeutung. Governance beschreibt dabei die Regeln, Verantwortlichkeiten und Kontrollmechanismen für den Einsatz von Technologien und Daten.

Ohne klare Zuständigkeiten, definierte Qualitätsstandards und nachvollziehbare Entscheidungsprozesse entstehen Risiken hinsichtlich Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Compliance.

Für SAP-Anwender ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis: Der Erfolg von KI-Projekten hängt maßgeblich von einer konsistenten Datenbasis sowie einer durchgängigen Integration der Daten in bestehende Geschäftsprozesse ab.

Digitale Souveränität im SAP-Umfeld

Ein weiterer Schwerpunkt der DSAG betrifft die digitale Souveränität der öffentlichen Verwaltung. Dabei geht es um die Fähigkeit einer Organisation, dauerhaft die Kontrolle über ihre Daten, Anwendungen und Infrastrukturen zu behalten.

Vor dem Hintergrund zunehmender Cloud-Nutzung entsteht hierbei ein Spannungsfeld zwischen internationalen Hyperscalern und europäischen Alternativen.

Die DSAG vertritt die Auffassung, dass digitale Souveränität nicht als absolute Unabhängigkeit verstanden werden sollte. Stattdessen seien transparente Risikoabwägungen und echte Wahlfreiheit entscheidend.

Für SAP-Landschaften ergeben sich daraus mehrere technische Anforderungen:

  • Standardisierte Systemarchitekturen
  • Transparente Betriebsmodelle
  • Vermeidung unnötiger Anbieterabhängigkeiten
  • Definierte Exit-Strategien für Cloud-Dienste
  • Klare Regelungen zur Datenhoheit

Gerade bei langfristigen Transformationsprojekten gewinnt die Frage nach der Wechselbarkeit von Plattformen und Dienstleistern zunehmend an Bedeutung. Öffentliche Auftraggeber müssen bereits bei Architekturentscheidungen berücksichtigen, wie sich spätere Veränderungen von Betriebsmodellen oder Anbietern umsetzen lassen.

Standardisierung als Schlüssel zur Verwaltungsdigitalisierung

Die föderale Struktur Deutschlands gilt seit Jahren als eine der Herausforderungen bei der Digitalisierung der Verwaltung. Unterschiedliche Verfahren, Datenmodelle und Softwarelösungen erschweren die Skalierung digitaler Prozesse über Behörden- und Ländergrenzen hinweg.

Die DSAG sieht deshalb große Potenziale in einheitlichen Software- und Datenstandards. Besonders hervorgehoben werden sogenannte EfA-Ansätze ("Einer für Alle"), bei denen entwickelte Lösungen von mehreren Verwaltungen gemeinsam genutzt werden können.

Aus technischer Sicht bietet die Standardisierung mehrere Vorteile:

  • Reduzierung von Entwicklungs- und Betriebskosten
  • Vereinfachte Integration zwischen Fachverfahren
  • Höhere Datenkonsistenz
  • Schnellere Einführung neuer digitaler Services
  • Bessere Wiederverwendbarkeit von Lösungen

Für SAP-Beratungshäuser eröffnet dies gleichzeitig neue Möglichkeiten. Statt individueller Sonderentwicklungen könnten künftig stärker standardisierte Implementierungs- und Betriebsmodelle in den Vordergrund rücken.

Leistungsfähiger Staat durch durchgängige Prozesse

Nach Auffassung der DSAG entsteht ein leistungsfähiger digitaler Staat nicht primär durch neue Strategiepapiere, sondern durch die konsequente Umsetzung belastbarer Prozesse und Architekturen.

Dabei spielen drei Faktoren eine zentrale Rolle:

  • Durchgängige digitale Prozesse
  • Hohe Datenqualität
  • Praktikable technische Architekturen

Diese Anforderungen decken sich mit den aktuellen Transformationszielen vieler SAP-Anwenderorganisationen. Insbesondere die Migration auf SAP S/4HANA bietet die Möglichkeit, historisch gewachsene Prozesslandschaften zu konsolidieren und stärker zu standardisieren.

Gleichzeitig macht die DSAG deutlich, dass Digitalisierung nicht als einmaliges Projekt verstanden werden darf. Vielmehr handelt es sich um einen kontinuierlichen Veränderungsprozess, der dauerhaft organisatorische, technische und fachliche Weiterentwicklung erfordert.

Fazit

Die Stellungnahme der DSAG verdeutlicht, dass die Herausforderungen der Verwaltungsdigitalisierung zunehmend in der praktischen Umsetzung liegen. Während strategische Zielbilder für Cloud, KI, digitale Souveränität und Verwaltungsmodernisierung weitgehend definiert sind, fehlen vielerorts noch standardisierte Betriebsmodelle, belastbare Governance-Strukturen und übergreifende Umsetzungsstandards.

Für SAP-Berater, IT-Architekten und Verantwortliche im Public Sector ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag: Der Fokus verschiebt sich von der Strategieentwicklung hin zur operativen Transformation. Entscheidend werden künftig standardisierte Architekturen, hochwertige Datenbestände, interoperable Systeme und gemeinsam nutzbare Lösungsansätze sein.

Die Diskussionen auf dem Zukunftskongress Staat und Verwaltung dürften daher weniger von Visionen geprägt sein als von der Frage, wie Digitalisierung unter den bestehenden Rahmenbedingungen tatsächlich erfolgreich umgesetzt werden kann. Eine entscheidente Rolle spielen dabei belastbare Betriebs- und Transformationsmodelle, die den öffentlichen Sektor langfristig handlungsfähig machen.

 

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